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Schulgebäude

Bundeswehr zu Besuch in der Kursstufe 2

Im Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichts besuchte Hauptmann Marlon Klier, Jugendoffizier der Bundeswehr, die Schülerinnen und Schüler der Kursstufe 2 des APG. In einem informativen Vortrag gab er Einblicke in aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen, die Aufgaben der Bundeswehr und zeigte mögliche Wege eines Engagements bei den Streitkräften auf.

Zum Einstieg stellte Klier eine Reihe aktueller und älterer Schlagzeilen aus der internationalen Berichterstattung vor. Meldungen zu russischen Drohnen im Luftraum Polens, zu Luftraumverletzungen durch russische Kampfflugzeuge über Estland oder zu beschädigter Infrastruktur in der Ostsee, zum Beispiel an Pipelines oder Windparks, verdeutlichten, wie komplex und dynamisch die sicherheitspolitische Lage in Europa derzeit ist. Auch andere Beispiele griff der Referent auf: etwa Berichte über einen Brandanschlag auf die Stromversorgung in Berlin, durch den zeitweise rund 100 000 Menschen ohne Elektrizität waren, oder Konflikte im Nahen und Mittleren Osten. Immer wieder stellte Klier dabei die zentrale Frage: Wie reagieren Staaten und Bündnisse auf solche Entwicklungen, und welche Rolle spielt Deutschland dabei?

Vor diesem Hintergrund erläuterte der Jugendoffizier zunächst die historische Entwicklung der Bundeswehr. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 und der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen entwickelte sich in der sich rasch verändernden internationalen Ordnung eine bipolare Welt zwischen westlichen Demokratien und dem sowjetisch geprägten Ostblock. Während in der Bundesrepublik 1949 freie Wahlen stattfanden, etablierte sich in der sowjetischen Besatzungszone ein anderes politisches System. Bundeskanzler Konrad Adenauer setzte früh auf eine Westbindung der Bundesrepublik, die 1955 in den Beitritt zur NATO mündete. Ein Jahr später wurde die Bundeswehr gegründet, und 1956 wurde auch die Wehrpflicht eingeführt. Während des Kalten Krieges galt Deutschland als möglicher Frontstaat zwischen den beiden militärischen Bündnissen NATO und Warschauer Pakt.

Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und der deutschen Wiedervereinigung veränderte sich die sicherheitspolitische Lage grundlegend. In den 1990er Jahren ging man vielfach davon aus, Deutschland sei nun „von Freunden umgeben“. Entsprechend wurden Personalstärken reduziert und Strukturen angepasst. Heute umfasst die Bundeswehr rund 185 000 Soldatinnen und Soldaten und gliedert sich in Heer, Luftwaffe, Marine, den Unterstützungsbereich sowie den Cyber- und Informationsraum. Angesichts der veränderten Sicherheitslage, nicht zuletzt durch den seit mehreren Jahren andauernden Krieg Russlands gegen die Ukraine, verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Personalstärke der Bundeswehr deutlich zu erhöhen; bis 2035 sollen rund 260000 Soldatinnen und Soldaten zur Verfügung stehen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags galt dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz von 2025, das in Verbindung mit Artikel 12a des Grundgesetzes neue Regelungen vorsieht. Demnach sollen junge Männer künftig etwa eine Woche nach ihrem 18. Geburtstag einen Fragebogen zur Bundeswehr erhalten, dessen Beantwortung verpflichtend ist. Er enthält unter anderem Fragen zu Bildungsabschluss, Größe und Gewicht sowie zur grundsätzlichen Bereitschaft, sich mit einem Dienst bei der Bundeswehr auseinanderzusetzen. Nur diejenigen, die darin ein entsprechendes Interesse äußern, werden zu einer Musterung eingeladen. In einem weiteren Schritt soll künftig auch die Musterung verpflichtend werden. Gleichzeitig betonte Klier ausdrücklich, dass die Gewissensfreiheit uneingeschränkt gilt: Einen Pflicht- oder Zwangsdienst gebe es nicht, vielmehr bleibe der Wehrdienst freiwillig.

Der mögliche neue Wehrdienst soll mindestens sechs Monate dauern. Neben der militärischen Ausbildung stellte Klier auch die beruflichen Perspektiven vor, die ein Engagement bei der Bundeswehr bieten kann. So erhalten Freiwillige beispielsweise ein Einstiegsgehalt von rund 2300 Euro. Darüber hinaus bietet die Bundeswehr vielfältige Möglichkeiten eines Studiums, vor allem für angehende Offizierinnen und Offiziere. Eigene Universitäten gibt es in Hamburg und München, während etwa ein Medizinstudium an zivilen Universitäten absolviert werden kann.

Im anschließenden Gespräch nutzten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, Fragen zu stellen und aktuelle Entwicklungen zu diskutieren. Für die Kursstufe bot die von OStRin Chantal Fischer organisierte Veranstaltung einen anschaulichen Einblick in ein Themenfeld, das im Augenblick wieder verstärkt in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt ist.

Claudia Schmidt