Percussion and Brass
Wenn die Schlagzeugerklasse von Wessela Kostowa-Giesecke konzertiert, kann man live erleben, wie sich einige ihrer jungen Zauberlehrlinge zum ausgewachsenen Profi mausern. Schon seit 36 Jahren gibt es diese Perkussionsabende am Auguste Pattberg Gymnasium, vor 20 Jahren entstand dann aus einer fröhlichen Jumelage mit dem Sinfonischen Blasorchester unter Doro Straub das Format „Percussion & Brass“ – ein Event, das alljährlich viele Zuhörer ins Foyer des APG lockt. Den schwungvollen Auftakt zur 36. Ausgabe P&Q übernahmen diesmal die Fortgeschrittenen, die als Quintett einen schmissigen Ragtime aus den 1920er Jahren mitgebracht hatten. Für die drei Meisterschüler Fabian Egolf, Emma Schäfer und Ole Lichtenfels, war es ihre Abschiedsvorstellung mit der Schlagzeugklasse, ließ Maestra Wessela nicht ohne ein bisschen Wehmut verlauten. Für sie selbst sei es immer wieder überraschend, wenn „ihre“ Kids, die sie teilweise von klein auf kannte, plötzlich ganz erwachsen mit dem Auto vorfahren. Aber natürlich kann sie auch sehr stolz sein auf die beachtliche Anzahl von Profimusikern, die in all den Jahren aus ihrer Klasse hervorgegangen sind.
Beim Perkussionsabend kann man sehr schön die Fortschritte beobachten von den Anfängern bis hin zu den angehenden Profis und Solisten. Schon bei den jüngsten Ensembles geht es präzise und beeindruckend diszipliniert zur Sache. Auch die Auftrittsroutinen sind wichtig bei so vielen Mitwirkenden und Instrumenten, die abwechselnd von mehreren Spielern „bearbeitet“ werden. Jeder muss genau wissen, wo er bei welchem Stück steht und die richtigen Schlegel findet. Dabei gilt es auch, wirkungsvolle Stücke für die verschiedenen „Gewichtsklassen“ auszusuchen, sodass alle eine gute Figur machen. Das Ensemble 1 mit den hoffnungsvollen Anfängern hatte einen witzigen „Vogelwalzer“ einstudiert, bei dem auch kleine Flöten und Vogelgezwitscher zum Einsatz kamen, ebenso wie verschiedene Trommeln und Pauken bei „Drummers Circus“. Das Stück stammte ebenso wie einige andere in diesem Programm von Eckhard Kopetzki (*1956), der nicht nur einer der meistgespielten Komponisten für Schlaginstrumente ist, sondern auch ein Studienkollege von Wessela Kostowa, mit dem sie heute noch sehr freundschaftlich verbunden ist.
Aber nicht nur Trommeln und Schlagzeug gehören zum klassischen Schlagwerk, auch die Melodieinstrumente mit metallenen (Glockenspiel und Vibrafon) oder hölzernen Stäben (Xylofon und Marimba) lernt man in der gut ausgestatteten Schlagzeugklasse kennen und spielen. Es wird Wert darauf gelegt, dass fortgeschrittene Schüler alle diese Instrumente beherrschen. Das Ensemble 2 hatte mit „Ronadalla Aragonesa“ ein nur für die Melodieinstrumente arrangiertes Stück von Enrique Granados mitgebracht, gefolgt von „Sambao Funk“, in dem traditionelle Samba-Klänge und Funk miteinander verschmolzen. Das fortgeschrittene Ensemble 3 ließ es in Kopetzkis „Pole Position“ auf 5 Snaredrums virtuos kesseln und schloss dann ein gefühlvoll musiziertes Stück aus der mexikanischen Tradition an, ein Beispiel für die große Vielfalt der Stile und Techniken, die hier gepflegt wird. Solist Fabian Egolf glänzte mit gleich zwei anspruchsvollen Solostücken an Drumset und Marimba. Für ihn war es zwar der letzte Einsatz bei P&B, der nächste aufstrebende Meister steht aber bereits in den Startlöchern: Sein jüngerer Bruder Johannes tritt in seine Fußstapfen und präsentierte sich als Solist am Vibrafon mit „Morning Sunbeam“ von E. Kopetzki.
Das Könner-Trio war dann noch einmal mit einem harmonisch interessanten Jazzwalzer im 9/8 Takt zu hören, bevor sich alle 16 Mitspieler für „Brasil“ von Ary Arroso zu einem großen Ensemble vereinten. Zum „rousing Finale“ kam dann wie immer das Sinfonische Blasorchester unter der gut gelaunten Leitung von Doro Straub dazu und beschloss diesen hochsommerlichen Abend mit schwungvoller Musik von Billy Joel und Ted Huggens. Für die jungen Musiker und ihre Helfer gibt es im Anschluss immer noch eine Menge Arbeit, bis alle wertvollen Instrumente heil wieder in der Musikschule stehen, aber auch das gehört dazu bei P&Q. Hut ab für diese reife Leistung! Text und Fotos Pia Geimer