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Schulgebäude

Präventionsveranstaltung zum Thema Essstörung in Klassenstufe 11

„Ich habe mehr als 30 Jahre meines Lebens mit Essstörungen verbracht, immer schwankend zwischen Magersucht und Bulimie.“ Mit diesen offenen Worten eröffnete Maria G.* ihre Schilderung in einer 11. Klasse.  Es wurde ganz still im Raum, denn ihre Geschichte forderte Aufmerksamkeit, sie beschönigte nicht, ließ aber auch Hoffnung zu.

Die Informationsveranstaltung zum Thema Essstörungen, eingebettet in die Präventionsangebote am APG, lebte von der besonderen Verbindung aus persönlicher Erfahrung und fachlicher Begleitung. Während Maria G., heute 64 Jahre alt, ihre Ernährungsbiographie eindringlich, sehr plastisch und authentisch schilderte, entstand ein spürbares Zusammenspiel mit der Ökotrophologin Hanna Bender. Immer wieder griff diese behutsam das Gesagte auf, erläuterte Hintergründe, bestätigte, ordnete ein. Das vertrauensvolle, wertschätzende Miteinander der beiden Frauen schuf eine angenehme Atmosphäre, die es den Schülern leichtmachte, sich auf das sensible Thema einzulassen. 

Maria G. berichtete von ihrer Kindheit als ungeliebtes Kind, von ihrer Ehe, von ihrem lebenslangen Bemühen, angenommen zu werden, insbesondere von der eigenen Mutter. Essstörungen wurden dabei als Ausdruck tiefer innerer Konflikte sichtbar, die sie über Jahrzehnte begleiteten, trotz eigener Familie und drei Kindern. Hanna Bender ergänzte von fachlicher Seite, erklärte psychische und körperliche Mechanismen und machte deutlich, wie gefährlich vorschnelle Bewertungen und oberflächliche Erklärungen sein können.

Ein besonderer Fokus lag auf den Risiken dubioser Ernährungsratgeber im Internet. Beide Referentinnen warnten eindringlich vor vermeintlich harmlosen Ernährungstipps, extremen Diäten und selbsternannten Coaches, die in sozialen Medien einfache Antworten auf komplexe Fragen versprechen. Gerade für junge Menschen seien solche Inhalte besonders gefährlich, ähnlich wie problematische Role Models, die unrealistische Körperideale inszenieren und Erfolg, Selbstwert und Anerkennung an Äußerlichkeiten knüpfen. Die Ökotrophologin betonte, wie wichtig es ist, Informationen kritisch zu prüfen und professionelle Beratung von ungesicherten Online-Quellen zu unterscheiden. Auch kritische Mediennutzung ist ein wesentlicher Bestandteil von Gesundheitskompetenz.

Dass Veränderung möglich ist, dass es Hilfe und Unterstützung gibt, machte die Veranstaltung ganz deutlich: Seit etwa einem Jahr ist Maria G. stabil, sie hat zu ihrem inneren Gleichgewicht gefunden, unterstützt durch die enge Zusammenarbeit mit einer Psychologin und mit Hanna Bender, ihrer Ernährungsberaterin. Ihre Geschichte zeigt aber auch, dass Heilung Zeit, Geduld und fachliche Begleitung braucht.

Im zweiten Teil der Veranstaltung richtete Hanna Bender den Blick auf gesunde, alltagstaugliche Ernährung. Sie erläuterte anschaulich, welche Nahrungsmittel Konzentration, Energie und einen gesunden Darm fördern, was Herz und Kreislauf stärkt und warum auch das „Nervenkostüm“ von ausgewogener, entzündungshemmender Ernährung profitiert. Themen wie sinnvolle Kombinationen von Lebensmitteln, die Bedeutung von Esspausen sowie das Vorbereiten und Mitnehmen von Essen für die Schule sorgten für hohe Praxisnähe.

Die Schülerinnen und Schüler waren aktiv eingebunden, stellen Fragen, diskutieren mit und formulierten am Ende persönliche „Take-home-Messages“.

Schulleiter Dr. Thomas Pauer unterstrich in seinem Dank an die beiden Referentinnen den hohen Wert der Aufklärung über das sensible Thema der Essstörungen: „Uns geht es um darum, Schutzfaktoren zu stärken und die Resilienz zu fördern, darin sehen wir die große Bedeutung unserer Präventionsangebote.“

*Name geändert