Welche Farbe hat Weihnachten?
Am letzten Schultag vor Beginn der Weihnachtsferien versammelte sich die Schulgemeinschaft des Auguste-Pattberg-Gymnasiums zu ihrem traditionellen Weihnachtsgottesdienst in der Marienkirche in Neckarelz. Welche Farbe hat Weihnachten? Diese Leitfrage bildete den Rahmen und lud dazu ein, über die Bedeutung von Weihnachten nachzudenken. In etwa 70 Minuten entstand ein harmonisch-besinnliches Zusammenspiel aus Liedern, Texten, Bildern und persönlichen Reflexionen, das den Blick auf das Weihnachtsfest weit über ein vordergründig-klischeebestimmtes Verständnis hinaus öffnete.
Nach der Begrüßung und Einführung durch Dipl.Theol. Thomas Lorenz und dem gemeinsamen Lied „Macht hoch die Tür“ wurde schon deutlich, dass die Gestaltung des Gottesdiensts – ganz der Tradition des APG entsprechend – im Wesentlichen von der aktiven Mitgestaltung durch die Schülerinnen und Schüler bestimmt war. Das Gebet, gesprochen von einer Schülerin und einem Schüler der Klasse 8, erarbeitet mit Religionslehrerin Frau Thienel, setzte einen ruhigen, konzentrierten Auftakt.
Einen weiteren vertiefenden Akzent bildete ein kurzer Filmimpuls zum weihnachtlichen Farb- und Bilderreichtum moderner Werbung, vorgestellt von Religionslehrer Frank Rückert, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Kursstufe1. Der bekannte Werbefilm von Coca Cola mit den beleuchteten Trucks vor einer idealisierten Kulisse winterlicher Landschaft präsentierte sich als Kommerzialisierung des Weihnachtsfests. Die Heilsbotschaft der Geburt Jesu verkommt in dieser Darstellung zu der säkularisiert-banalen Aussage: Die tiefe existenzielle Sehnsucht des Menschen ist erfüllbar – durch Konsum, durch den Kauf von Coca Cola. Nicht der Erlöser bringt Licht in das Dunkel der Welt, sondern die Trucks mit dem koffein- und kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränk.
Daran anschließend lenkten Pfarrer Stefan Schöni und die Klasse 7d den Blick auf die „Farben von Weihnachten“: Rot und Grün als Zeichen von Liebe, Hoffnung und Leben. In eindrücklichen Worten machten die Schülerinnen und Schüler deutlich, dass diese Farben nicht nur schmücken, sondern eine Haltung ausdrücken: die Sehnsucht nach Wärme, Gemeinschaft und einer hoffnungsvollen Welt.
Mit dem Lied „Stern über Betlehem“ wurde dieser Gedanke musikalisch vertieft, bevor Stefan Schöni gemeinsam mit den Klassen 11b und 11c die Farben von Weihnachten mit den biblischen Weihnachtsgeschichten verband. Sie nannten Licht, Dunkelheit, Hoffnung und Frieden dabei nicht abstrakt, sondern setzten in Beziehung zu den Erfahrungen junger Menschen heute. Besonders eindrucksvoll war die Betonung, dass Hoffnung Ausdruck finden und Erfüllung finden muss und dass Weihnachten gerade in einer verletzlichen, unruhigen Welt Orientierung geben kann.
Visuelle Impulse aus den sogenannten Olmos-Videos, vorgestellt von Ursula Schöni, sowie das gemeinsam gesungene „Feliz Navidad“ öffneten den Gottesdienst noch einmal für die internationale und verbindende Dimension des Weihnachtsfestes. Schülerinnen und Schüler der Schule in Olmos, die immer wieder Unterstützung durch Spendenaktionen des APG erfahren, bedankten sie in kurzen filmischen Szenen für alle Zuwendungen und gaben Einblick in ihren schulischen Alltag. Das ist Hilfe, die wirklich ankommt und – ganz im Sinne der weihnachtlichen Botschaft – Hoffnung schenkt und all den Schulkindern in Olmos echte Zukunftschancen eröffnet.
Die Fürbitten und das Vaterunser, vorbereitet von Britta Schulcz mit Schülerinnen und Schülern der Klasse 8, gaben Raum für persönliche Anliegen, für Dank, Sorge und Hoffnung. Im Segensgebet und dem abschließenden Lied „Was hat wohl der Esel gedacht“ klang der Gottesdienst heiter-optimistisch aus, bevor die Schulgemeinschaft zu den letzten beiden Unterrichtsstunden des Kalenderjahres ins Schulgebäude zurückkehrte.
Der Weihnachtsgottesdienst des Auguste-Pattberg-Gymnasiums war ein Moment der Besinnung und ein starkes Zeichen dafür, dass Weihnachten viele Farben hat, vor allem aber die der Hoffnung und des Friedens.
Claudia Schmidt