Wertvolle Anleitung für Sozialkompetenz und Zivilcourage
Lustig? Peter Lustig? Der Autor und Darsteller der ZDF-Serie „Löwenzahn“? Nein, es ist natürlich nicht Peter, sondern Manfred Lustig, qualifizierter Gewaltschutztrainer, der in den fünf 8. Klassen des Auguste-Pattberg-Gymnasiums Workshops zur Gewaltprävention durchführt. Aber genau wie der Moderator der wohl bekanntesten Fernsehsendung für Kinder ist er gleichzeitig wertschätzend und kompetent, einfühlsam und sachlich, distanzwahrend und empathisch und damit die Idealbesetzung für die Workshops, die Teil des Mittelstufenkonzepts am APG sind.
Zunächst näherten sich die Schülerinnen und Schüler dem sensiblen Thema unter seiner Leitung analytisch: Sie definierten den Begriff „Gewalt“, differenzierten dabei präzise zwischen Gewalt gegen Sachen und gegen Menschen, unterschieden verbale von körperlicher Gewalt und formulierten sehr schlüssig ihr Verständnis von seelischer Gewalt: Psychische, also seelische oder emotionale Gewalt ist kaum wahrnehmbar. Man kann von außen meist weder die Gewalttat noch ihre Folgen sehen. Die psychische Gewalt hat viele Formen, vom Beschimpfen, Verspotten und Bloßstellen bis zu Drohung und Erpressung.
Dieser theoretische Einstieg des Workshops, klar strukturiert und altersangemessen aufbereitet, bot den Schülerinnen und Schülern eine wichtige begriffliche Grundlage. Sehr positiv dabei war auch, dass dadurch ein gemeinsames Verständnis zentraler Fachbegriffe geschaffen wurde, das für die weitere Auseinandersetzung mit Konflikt- und Gewaltsituationen notwendig ist. Besonders die Einbeziehung psychischer bzw. seelischer Gewalt erweiterte den Blick über rein physische Formen hinaus und sensibilisierte für subtile und häufig weniger sichtbare Gewaltformen.
Schon die Vorbereitung des Raumes hatte auf einen praktischen zweiten Teil schließen lassen: Während die eine Hälfte bestuhlt war, hatte man in der anderen Hälfte Tische und Stühle entfernt, sodass den Schülerinnen und Schülern genügend Bewegungsfreiheit für praktische Übungen zur Verfügung stand. Und auch hier überzeugte Manfred Lustig als langjähriger Karate-Trainer mit Sachkenntnis und Erfahrung. Erstes Ziel ist immer die Deeskalation, erklärte der er eindrücklich. Gleichzeitig entwarf er aber auch ganz realistisch und ohne jede Dramatisierung bedrohliche Situationen. „Unsere wichtigste Waffe ist die Stimme“, erläuterte er. Ein starker Satz, den er mit eigenem Stimmeinsatz gleich demonstrierte. Ob in der Konfliktlösung, in der Selbstbehauptung oder als rhetorisches Werkzeug: Mit einer bewussten und gezielten Stimmführung lassen sich oft die größten Erfolge erzielen und Situationen deeskalieren, machte Manfred Lustig deutlich. Dann vermittelte richtige Körperhaltung sowie Körpersprache in Gefahrensituationen und einfache, wirkungsvolle Selbstbehauptungsstrategien, die die Schülerinnen und Schüler gemeinsam anwandten und auf diese Weise eine wertvolle alltagstaugliche Anleitung zu Selbstbewusstsein und Zivilcourage erhielten.
Manfred Lustig ist Dan Karate, Dan Iaido, Kyu Jiu-Jitsu, ist Präventionsleiter „Sport pro Gesundheit“ und hat die Gewaltschutz-Trainerlizenz. „Ich möchte einfach dazu beitragen, junge Menschen stark zu machen“, erläutert er ganz schlicht. Seine Workshops sind dazu besonders geeignet.
Claudia Schmidt